Tausend Tage Straflosigkeit - Der Dammbruch von Brumadinho

21.10.2021, 15:00 Uhr

Online

„Tausend Tage Straflosigkeit“ ist eine Veranstaltung zum Gedenken an die Opfer und Betroffenen vom Dammbruch in Brumadinho und zur Anklage eines Systems, das die Profite von Unternehmen über Menschenleben und Umwelt stellt. Die Veranstaltung wird mit Simultanübersetzung ins Englische live hier übertragen.
 
Straflosigkeit ist eines der Traumata, die noch immer von dem tragischen Verbrechen in Brumadinho, Brasilien, am 25. Januar 2019 nachhallen. An diesem Tag brach ein Damm in einer Eisenerzmine des brasilianischen Bergbauunternehmens Vale ein und tötete 272 Menschen. Nur vier Monate zuvor hatte das brasilianische Tochterunternehmen des deutschen Zertifizierers TÜV SÜD den Damm für stabil erklärt – trotz bekannter Sicherheitsrisiken. Von den 272 Opfern sind neun bis heute unauffindbar von der Schlammlawine begraben. Auch die Umwelt leidet noch immer unter dem giftigen Schlamm: Wälder wurden zerstört, Tiere getötet und große Teile des Flusses Paraopeba sind vergiftet. Lokale Gemeinschaften sind auf den Fluss und das Land angewiesen für Fischfang und Landwirtschaft. Ihr Recht auf Nutzung dieser natürlichen Ressourcen wird weiterhin verletzt.

 Am 21. Oktober 2021 liegt der Einsturz des Staudamms 1000 Tage zurück. Die Betroffenen fragen sich immer noch: Warum bleibt die Straflosigkeit bestehen? Was wurde unternommen, um die Personen und Unternehmen, die diese Tragödie verursacht haben, zur Verantwortung zu ziehen? Welche gerichtlichen Maßnahmen und strafrechtlichen Ermittlungen gibt es zu diesem Verbrechen?  
 
Diese und andere Fragen diskutieren:

  • Dom Vicente, Weihbischof in der Erzdiözese von Belo Horizonte
  • Danilo Chammas, Volksanwalt, Rechtsberater von RENSER/Erzdiözese von Belo Horizonte
  • Andresa Rodrigues, Mutter von Bruno, einem der Opfer des Dammbruchs, Vizepräsidentin der Vereinigung der Familien der Opfer und Betroffenen des Dammbruchs der Mine Córrego do Feijão, Brumadinho (AVABRUM)
  • Armin Paasch, Referent für Wirtschaft und Menschenrechte, MISEREOR

 Die Veranstaltung wird moderiert von Marina Oliveira, Projektkoordinatorin bei RENSER/Erzdiözese Belo Horizonte

Am 15. Oktober 2019 reichten fünf brasilianische Angehörige von Opfern des Dammbruchs gemeinsam mit dem European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) und MISEREOR Anzeigen gegen TÜV SÜD und einen TÜV-Mitarbeiter in Deutschland ein. Unterstützt werden die Klagen von der in Brumadinho ansässigen Organisation RENSER, welche die Ermittlungen zum Staudammbruch in Brasilien verfolgt und Betroffene unterstützt. Die Anzeigen richten sich gegen einen Mitarbeiter von TÜV SÜD wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Überschwemmung, fahrlässiger Tötung sowie Privatbestechung. Dem Unternehmen als solches wird zudem die Verletzung seiner Aufsichtspflichten vorgeworfen – denn TÜV SÜD hätte die Pflicht gehabt, zu verhindern, dass aus dem eigenen Betrieb heraus Straftaten begangen werden. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt derzeit, um die mögliche Verantwortung des deutschen Unternehmens bei dem Dammbruch zu klären. Bislang wurde noch keine einzige Person verurteilt. Es herrscht Straffreiheit für das Bergbauunternehmen Vale und den deutschen Zertifizierer TÜV SÜD.

Zwischenzeitlich wurde in Brasilien ein sogenanntes „Entschädigungsabkommen“ zwischen Vale, dem brasilianischen Staat sowie der Staatsanwaltschaft und der Public Defender’s Office in Brasilien unterzeichnet. Doch: Diese Vereinbarung begünstigt das Unternehmen statt den Betroffenen Abhilfe zu verschaffen. Dies zeigt: Vale hat kein Interesse an einer gerechten und vollständigen Aufarbeitung und Entschädigung für die Schäden, die durch den Zusammenbruch des Staudamms entstanden sind und für den Vale einen Teil der Verantwortung trägt.

Die Veranstaltung wird organisiert von RENSER, Caritas Minas Gerais, dem ECCHR und MISEREOR.

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