04.06.2024, Berlin

15 Jahre offizieller Frieden: Kontinuitäten der Gewalt in Sri Lanka

Berlin
04.06.2024, 11:00 Uhr
Humboldt-Universität Berlin
Juristische Fakultät E25, Unter den Linden 9

15 Jahre offizieller Frieden: Bericht des UN Kommissariats für Menschenrechte über ausbleibende Aufarbeitung und Kontinuitäten der Gewalt in Sri Lanka

2024 jährt sich das Ende des jahrzehntelangen Bürgerkriegs in Sri Lanka zum 15. Mal. In der letzten Phase des
Krieges wurden innerhalb weniger Monate Hundertausende Tamil*innen vertrieben und auf einem final verblei-
benden Strandstreifen bei Mullivaikal im Nordosten der Insel unterschiedslos aus der Luft, vom Boden und vom
Wasser, selbst in explizit deklarierten „no fire zones“ bombardiert und damit ein neues Exempel globaler Kriegs-
führung im Namen der Terrorismusbekämpfung geschaffen. Konservative Schätzungen gehen von etwa 40-
70.000 Toten in nur wenigen Wochen aus.

Bis heute gibt es keine Aufarbeitung oder strafrechtliche Verfolgung der Ereignisse, die laut UN-Expert:innen des
Völkerrechts als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzustufen sind. Die Regierung
Sri Lankas hat 2024 zwar abermals einen Gesetzesentwurf für eine neue Kommission für Wahrheit, Einheit und
Versöhnung vorgelegt, aber die Voraussetzungen für einen glaubwürdigen Wahrheitsfindungsprozess sind nach
wie vor nicht gegeben. Zehntausende von Familien der Verschwundenen suchen noch immer nach ihren Ange-
hörigen und sind dabei einer Kontinuität von Einschüchterungen, Verhaftungen und Gewalt ausgesetzt.

Der nun vorliegende Bericht des Sri Lanka Accountability Projects der Vereinten Nationen skizziert systematisch,
wie die ausbleibende Aufarbeitung und bisherige Straflosigkeit der Verbrechen Gerechtigkeit für die Opfer ver-
hindert. Der Bericht beschreibt eindrücklich wie dadurch ein gesellschaftliches Klima geschaffen wird, das bis
heute fortgesetzte Formen von Ausgrenzung, Diskriminierung, Misshandlung und Verschwindenlassen gegen-
über der tamilischen Minderheit, von Menschenrechtsaktivist*innen und Journalist*innen ermöglicht und tiefe
Re-Traumatisierungen schafft.

Die Ergebnisse des Berichts werden im Rahmen der Veranstaltung durch Annemarie Devereux, Leiterin des
OHCHR Projektes vorgestellt und Schlussfolgerungen diskutiert.

Organisiert von medico international, Sri Lanka Advocacy Group und ECCHR

Ort: Senatssaal Humboldt-Universität zu Berlin Hauptgebäude, 1. Obergeschoss, Unter den Linden 6, 10117 Berlin

Grußwort Niels Pinkwart, Vize-Präsident der Humboldt Universität zu Berlin
Keynote: Annemarie Devereux, Leiterin OSLAP beim OHCHR
Kommentar: Tamilisch sprechende Menschenrechtsaktivistin WHRD, Sri Lanka
Kommentar: Shreen Saroor, Menschenrechtsaktivistin, Sri Lanka
Kommentar: Andreas Schüller, Programmleiter Völkerstraftaten und rechtliche Verantwortung, ECCHR
Moderation: Karin Zennig, medico international

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