Institut - Gesellschaft & Kunst - Namibia

Koloniales Erbe: Deutschland und Namibia

Institut - Gesellschaft & Kunst - Namibia

Koloniales Erbe: Deutschland und Namibia

Der deutsche Genozid an den Ovaherero und Nama in Namibia (1904-1908) war der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts. Die Bundesregierung und der Bundestag haben sich bis heute dafür weder offiziell entschuldigt noch Reparationen an die Nachkommen der Betroffenen gezahlt. Immerhin werden (post-)koloniale Verbrechen und ihre Auswirkungen derzeit immer öfter und immer offener diskutiert.

Projekt

Das ECCHR berät Vertreter*innen der Ovaherero und Nama in rechtlichen Fragen und unterstützt sie, ihre Anliegen – wie die Rückführung menschlicher Gebeine nach Namibia oder die Restitution von in der Kolonialzeit geraubten Kulturgütern – in Deutschland weiter zu verbreiten.

Im Nachklang des Symposiums "Koloniales Erbe/Colonial Repercussions" (Januar 2018 in der Akademie der Künste in Berlin) wurde eine ECCHR-Delegation zu Gedenkfeierlichkeiten der Schlacht von Ohamakari (1904) im August 2018 nach Namibia eingeladen.

Dieser Reise folgte die internationale Konferenz "Namibia: Eine Woche für Gerechtigkeit", die das ECCHR zusammen mit dem Goethe-Institut, der Akademie der Künste und Vertreter*innen der Ovaherero und Nama im März 2019 in Windhoek und Swakopmund (Namibia) ausrichtete. Die Themen und Fragestellungen der "Woche für Gerechtigkeit" wurden auf dem Symposium "Koloniales Erbe V: Das Beispiel Namibia" im November 2019 nach Berlin zurückgespielt.

Kontext

Als transnational agierende Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Berlin sieht es das ECCHR als seine Aufgabe, den Dialog zwischen den unterschiedlichen Akteur*innen zu fördern. Das geschieht auf unterschiedlichen Ebenen, sowohl in Deutschland als auch in Namibia. Denn: Kollektive Traumata ebenso wie die soziale und ökonomische Ungleichheit infolge des Landraubs und des Völkermords können nur durch Lösungen überwunden werden, die möglichst viele Betroffene und Akteur*innen mittragen.

Die Arbeit zu Namibia macht zudem auf koloniale Kontinuitäten im Recht aufmerksam, die in Deutschland immer noch vorherrschen. Dem ECCHR geht es darum, rechtliche Argumente und Auslegungen aufzuzeigen, die die Bundesregierung und die aktuelle dominante Rechtsmeinung in Deutschland ausblenden. Das betrifft insbesondere Fragen der Entschädigung und Reparationen für Völkermord und Landraub, zu denen wir eine postkoloniale Perspektive auf das Recht einnehmen.

Grundlagen

Mehr zu den Veranstaltungen der Reihe "Koloniales Erbe/Colonial Repercussions".

Die Veranstaltungen der "Namibia: Eine Woche für Gerechtigkeit" – darunter das Symposium "Colonial Injustice – Addressing Past Wrongs" vom 25.-26. März 2019 in Windhoek und die Konferenz "International Law in Postcolonial Contexts" vom 27.-29. März in Swakopmund – waren in dieser Art erstmalig in Namibia. Die zentralen Themen waren der deutsche Völkermord an den Ovaherero und Nama und die Frage, wie die gewaltvolle deutsch-namibische Geschichte würdevoll aufgearbeitet werden kann.

Organisiert wurde die öffentliche Veranstaltung in Windhoek wurde vom ECCHR und der AdK in Kooperation mit dem Goethe-Institut Namibiat. Die Konferenz, die Workshops und die öffentliche Veranstaltung in Swakopmund waren ein gemeinsames Projekt des ECCHR und der AdK zusammen mit der Ovaherero Genocide Foundation, der Nama Traditional Leaders Association und des Nama Genocide Technical Committee.

Die Veranstaltungen in Namibia wurde mit großem Interesse und von einem breiten Publikum aus Vertreter*innen der Zivilgesellschaft aufgenommen: Jurist*innen, Künstler*innen, Verfassungshistoriker*innen und zivilgesellschaftliche Expert*innen diskutierten eine Woche lang auf Podiumsveranstaltungen, Workshops und weiteren Sitzungen. Teilnehmende waren u.a. Bonita Meyersfeld (Witwatersrand University in Johannesburg/Südafrika), Makau Mutua (University of Buffalo, USA), Vasuki Nesiah (New York University), John Nakuta (University of Namibia), Jürgen Zimmerer (Universität Hamburg), Werner Hillebrecht (ehemaliger Leiter Nationalarchiv von Namibia) und Wolfgang Kaleck (ECCHR).

Dokumentiert wurde die "Woche für Gerechtigkeit" in der ECCHR-Publikation Colonial Repercussions: Namibia.

Ziel des Symposiums "Koloniales Erbe V: Das Beispiel Namibia" war, die komplexen Aus- und Wechselwirkungen deutscher Kolonialisierung im heutigen Namibia nachzuzeichnen und in Deutschland sichtbarer zu machen. Vertreter*innen aus Recht, Politik und Kunst stellten ihre Perspektiven auf die Folgen von Kolonialisierung und einen möglichen konstruktiven Umgang mit dem kolonialen Erbe vor, um so mit der Zivilgesellschaft in Deutschland ins Gespräch zu kommen.

Die Themen und Fragestellungen von der "Woche für Gerechtigkeit" vom März 2019 wurden auf dem Symposium nach Berlin zurückgespielt.

Teilnehmende waren u.a. Ida Hoffmann (Leiterin des Nama Genocide Technical Committee), John Nakuta (University of Namibia) und Joshua Castellino (Minority Rights Group). Begleitet wurde die Veranstaltung durch eine Installation der namibischen Künstlerin Isabel Katjavivi.

Themen

Weitere Projekte

Dokumente

Glossar

Die postkoloniale Rechtskritik versucht, die Kontinuitäten dieser kolonialen Vergangenheit des Rechts (national und international) aufzudecken und zu beenden.
Nach dem Grundsatz der Intertemporalität ist ein rechtlicher Sachverhalt auf Grundlage der zu der jeweiligen Zeit gültigen Gesetze zu beurteilen. In manchen Fällen kann die Anwendung des Grundsatzes aber dazu führen, dass beispielsweise Verbrechen, die während der Kolonialisierung Afrikas oder Südamerikas begangen wurden, nicht nach heutigen juristischen Maßstäben beurteilt werden, sondern anhand der rassistischen und diskriminierenden Gesetze der damaligen Kolonisierenden.
Die UN-Erklärung über die Rechte der indigenen Völker vom September 2007 stellt indigene Völker anderen Völkern rechtlich gleich. In der Resolution wird erklärt, dass indigene Völker zur Vielfalt der Kulturen beitragen und dass sie nicht aufgrund ihrer Traditionen und deren Ausübung diskriminiert werden dürfen.
Um Völkermord international zu ächten, beschlossen die Vereinten Nationen im Dezember 1948 die "Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes". Darin ist Völkermord als Verbrechen definiert, das durch die Absicht gekennzeichnet ist, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise auszulöschen.

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