Nach internationalem Menschenrechtsstandards haben indigene Völker das Recht auf Selbstbestimmung und müssen über geplante Entwicklungsprojekte auf ihren Stammesgebieten umfassend informiert und nach Einwilligung gefragt werden. Unternehmen wie RWE müssen mögliche Verletzungen dieser Rechte berücksichtigen, bevor sie in solche Projekte investieren.
Das Volk der Nama, Nachkommen von Opfern des vom Deutschen Reich verübten Völkermordes, wurde in Great Namaqualand seines Landes beraubt, um Diamanten und andere Ressourcen zugunsten deutscher Unternehmen auszubeuten. Heute sind sie in den Entscheidungsprozess über das Hyphen-Projekt nicht angemessen einbezogen worden. Die Stammesgemeinschaften der Nama haben von Hyphen Ltd. keine Informationen darüber erhalten, ob und inwiefern das Unternehmen die spezifischen Auswirkungen auf ihre Menschenrechte prüft. Sie wurden weder konsultiert noch erhielten sie Möglichkeit, ihre Zustimmung oder Ablehnung zu diesem Vorhaben auf ihrem Land zu äußern. Dies verstößt gegen ihr Recht auf freie, vorherige und informierte Zustimmung sowie gegen ihr Recht auf Selbstbestimmung.
Aus diesem Grund hat die Nama Traditional Leaders Association (NTLA) im April 2025 gemeinsam mit dem ECCHR, Forensic Architecture, der Gesellschaft für bedrohte Völker und der Minority Rights Group International ein Schreiben an RWE gerichtet. Darin bitten sie um Auskunft darüber, mit welchen Maßnahmen sichergestellt werden soll, dass das Hyphen Projekt die Rechte der Nama respektiert.
RWE antwortete zwar der NTLA, ging jedoch weder auf deren konkrete Anliegen noch auf die deutschen Kolonialverbrechen und den Völkermord an den Nama ein. Stattdessen verwies das Unternehmen lediglich auf die bestehende Absichtserklärung mit Hyphen und betonte, dass die Umsetzung vom Ergebnis der Due-Diligence-Prüfungen abhängig sei. Im Kontext eines Projekts von der Größenordnung Hyphens stellt ein solche Erklärung jedoch eine faktische wirtschaftliche Vorabzustimmung dar – besonders relevant angesichts der Volatilität und Unsicherheit der Marktpreise für grünen Wasserstoff.
Im August 2025 teilte RWE der NTLA nach Interventionen auf der Hauptversammlung von RWE und weiteren Mitteilungen, dass es sich nicht mehr am Hyphen-Projekt beteilige.