Der Preis des Gases in Mosambik

Vorwürfe der Beihilfe zu Kriegsverbrechen gegen TotalEnergies

Mosambik – Bewaffneter Konflikt – Unternehmensverantwortung

Nach einem Angriff der bewaffneten Gruppe Al-Shabab auf die Stadt Palma im April 2021 soll die mosambikanische Armee – darunter Mitglieder der von TotalEnergies unterstützten Gemeinsamen Einsatztruppe – zwischen Juli und September 2021 Dutzende Zivilist*innen willkürlich in Metallcontainern am Eingang der Anlage festgehalten haben. Die Betroffenen waren vor Angriffen von Al-Shabab aus ihren Dörfern geflohen, als sie von der Armee aufgegriffen wurden. Den Vorwürfen zufolge wurden die Inhaftierten gefoltert, sind spurlos verschwunden oder wurden hingerichtet.

Im November 2025 erstattete das ECCHR in Frankreich Strafanzeige gegen TotalEnergies wegen Beihilfe zu Kriegsverbrechen, Folter und gewaltsamen Verschwindenlassen. Im Mittelpunkt steht die Rolle des Öl- und Gaskonzerns bei der direkten Unterstützung der Gemeinsamen Einsatztruppe (Joint Task Force, JTF), der eine Beteiligung am sogenannten „Container-Massaker" vorgeworfen wird.

Fall

Die Anzeige wurde vom ECCHR bei der französischen Antiterror-Staatsanwaltschaft (PNAT) eingereicht, die auch für die Untersuchung internationaler Verbrechen zuständig ist.

Im Zentrum steht das sogenannte „Container-Massaker", das sich zwischen Juli und September 2021 auf dem Gelände von TotalEnergies ereignet haben soll. An dem Vorfall sollen Mitglieder der Gemeinsamen Einsatztruppe (Joint Task Force, JTF) beteiligt gewesen sein.

Die JTF entstand 2020 im Rahmen eines Memorandums zwischen der mosambikanischen Tochtergesellschaft von TotalEnergies und der Regierung. Durch diese Vereinbarung stellte das Unternehmen Unterkunft, Verpflegung, Ausrüstung und Soldatenprämien bereit – eine Unterstützung, die trotz Kenntnis systematischer Menschenrechtsverletzungen fortgesetzt wurde.

Interne Dokumente belegen, dass TotalEnergies bereits seit Mai 2020 von Berichten über Gewalt gegen Zivilist*innen durch die mosambikanischen Streitkräfte wusste, die JTF jedoch weiterhin unterstützte. Die einzige Schutzmaßnahme bestand darin, Prämien zurückzuhalten, falls Soldaten Menschenrechtsverletzungen begingen - ein Mechanismus, der offenbar versagte.

Die Vorwürfe wurden erstmals im September 2024 von internationalen Medien – darunter PoliticoSourceMaterial und Le Monde – öffentlich gemacht, woraufhin Ermittlungen eingeleitet wurden. 2025 gab der Generalstaatsanwalt Mosambiks bekannt, dass ein Strafverfahren zu den Vorwürfen eröffnet wurde. Auch die Regierungen Großbritanniens und der Niederlande, die Exportfinanzierungen für das LNG-Projekt bereitstellen, haben Berichten zufolge eigene Untersuchungen eingeleitet. In Europa wurde bislang jedoch keine gerichtliche Untersuchung zur Rolle von TotalEnergies eröffnet.

Kontext

Seit 2017 ist Cabo Delgado Schauplatz eines anhaltenden Konflikts. Die nichtstaatliche bewaffnete Gruppe Al-Shabab hat Dörfer angegriffen und Hunderttausende zur Flucht gezwungen. Inmitten dieses instabilen Umfelds befindet sich das Mozambique-LNG-Projekt von TotalEnergies, eines der größten Gasprojekte Afrikas. Für die lokale Bevölkerung hat die Entwicklung des Projekts zu Vertreibung, Gewalt und ständiger Unsicherheit geführt.

Im November 2025 gab TotalEnergies bekannt, die nach einem Angriff auf die LNG-Anlage im April 2021 geltend gemachte höhere Gewalt wieder aufzuheben - trotz anhaltender Gewalt, zunehmender Angriffe und einer sich verschärfenden humanitären Krise in der Region.

Dieser Fall folgt auf eine weitere Strafanzeige, die 2023 von Überlebenden und Angehörigen der Opfer des Palma-Angriffs vom April 2021 eingereicht wurde. Darin wird TotalEnergies vorgeworfen, die Sicherheit seiner Subunternehmer nicht gewährleistet zu haben. Im März 2025 leitete die Staatsanwaltschaft in Nanterre ein Vorermittlungsverfahren gegen TotalEnergies wegen fahrlässiger Tötung und unterlassener Hilfeleistung ein.

Unternehmen in Konfliktgebieten sind keine neutralen Akteure. Wenn sie Sicherheitskräfte finanzieren, die schwere Menschenrechtsverletzungen begehen, können sie sich der Beihilfe schuldig machen. Es gibt Präzedenzfälle für die strafrechtliche Verantwortung von Unternehmen: Der Fall Lafarge führte zu Anklagen wegen Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit. In Schweden stehen zwei ehemalige Führungskräfte des Ölkonzerns Lundin wegen Beihilfe zu Kriegsverbrechen durch das sudanesische Regime vor Gericht.

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Definition

Kriegsverbrechen

Kriegsverbrechen sind schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht, die in bewaffneten Konflikten begangen werden.

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