Indien - Pestizide - Syngenta II

Vergiftungswelle in Yavatmal: Betroffene gehen gegen Pestizid-Konzern Syngenta vor

Indien - Pestizide - Syngenta II

Vergiftungswelle in Yavatmal: Betroffene gehen gegen Pestizid-Konzern Syngenta vor

Herbst 2017, im zentralindischen Yavatmal erleiden hunderte von Landarbeiter*innen teils schwere Vergiftungen. Behördliche Dokumente aus Indien belegen: Das Pestizid Polo des Schweizer Chemiekonzerns Syngenta spielte bei den Vergiftungen und deren mitunter tödlichen Folgen eine wichtige Rolle.

Im Namen von 51 betroffenen Familien reichten das Pesticide Action Network India (PAN India) und die Maharashtra Association of Pesticide Poisoned Persons (MAPPP) gemeinsam mit der Schweizer Organisation Public Eye und dem ECCHR deshalb am 17. September 2020 eine Beschwerde gegen Syngenta beim Nationalen Kontaktpunkt der OECD in Bern ein.

Parallel dazu reichten ein Überlebender und zwei Hinterbliebene in Bern eine auf  Produkthaftung basierende Schadensersatzklage gegen den Konzern ein. Denn: Der Wirkstoff Diafenthiuron stammte direkt aus der Schweiz. Das ECCHR unterstützt die Anzeigenerstatter*innen, die von der ECCHR-Partnerkanzlei schadenanwaelte vertreten werden.

 

Fall

Für die OECD-Beschwerde haben PAN India, MAPPP, Public Eye und das  ECCHR die Fälle  von 51 Bauer*innen aufgearbeitet, die zwischen August und Dezember 2017 Polo auf ihren Baumwollfeldern nutzten. Deren Forderung: Syngenta muss den Verkauf gefährlicher Pestizide an Kleinbäuer*innen in Indien stoppen, wenn diese Pestizide eine Schutzausrüstung voraussetzen bzw. wenn im Vergiftungsfall kein Gegenmittel zur Verfügung steht. Zudem soll Syngenta die 51 Betroffenen für ihre Behandlungskosten und Lohnausfälle entschädigen.

Langfristig wollen die Betroffenen, das ECCHR und seine Partnerorganisationen den Doppelstandards beim Vertrieb von Pestiziden aus dem Globalen Norden in den Globalen Süden ein Ende setzen.

Kontext

Polo ist ein Insektizid mit dem Wirkstoff Diafenthiuron. In der EU ist der Wirkstoff seit 2002 nicht mehr zugelassen. In der Schweiz wurde Polo 2009 vom Markt genommen, im März 2017 wurde Diafenthiuron zudem auf die Liste der Stoffe gesetzt, die wegen ihrer Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt verboten sind. Dennoch vertreibt Syngenta das Pestizid Polo immer noch im Globalen Süden, so wie in Indien.

Der Fall Yavatmal zeigt einmal mehr: In Europa dürfen Pestizide nur unter strengen Auflagen verkauft werden. Ganz anders, wenn internationale Chemie- und Agrarkonzerne ihr Produkte im Globalen Süden vertreiben: Bäuer*innen und Anwender*innen verwenden Pestizide oft ohne Schutz und werden nicht über mögliche Gefahren aufgeklärt. Unternehmen wie Bayer und Syngenta wissen das. Trotzdem exportieren sie weiter, maximieren ihre Profite und nehmen die Gesundheitsschäden oft billigend in Kauf.

Themen

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Dokumente

Glossar

Jede natürliche oder juristische Person kann bei einer Nationalen Kontaktstelle der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine Beschwerde über die Verletzung der Leitsätze für Multinationale Unternehmen einreichen.
Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen dienen dazu, verantwortungsvolles und nachhaltiges Unternehmensverhalten im Bereich Umwelt und Menschenrechte zu fördern.

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