Am 1. Dezember 2025 übergaben die deutschen Behörden Khaled Mohamed Ali El Hishri, auch bekannt als Al Booti oder Scheich Khaled, an den IStGH in Den Haag. Er war am 16. Juli 2025 in Berlin aufgrund eines Haftbefehls des IStGH festgenommen worden.
El Hishri, eine hochrangige Persönlichkeit innerhalb der mächtigen, in Tripolis ansässigen Miliz, die früher als SDF/RADA bekannt war und dem libyschen Präsidialrat angehört, wird vorgeworfen, während seiner Zeit als Leiter des Mitiga-Gefängnisses in Tripolis, Libyen, zwischen dem 1. Mai 2014 und dem 30. Juni 2020 Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen begangen zu haben.
Ihm wird vorgeworfen, Folter und grausame Behandlung, Freiheitsentzug, Verletzungen der persönlichen Würde, Vergewaltigung und andere Formen sexueller Gewalt, Mord und versuchten Mord, Versklavung sowie Verfolgung libyscher Häftlinge sowie von Geflüchteten begangen, angeordnet und beaufsichtigt zu haben. Vom 19. bis zum 21. Mai 2026 fand in Den Haag die Anhörung zur Anklagebestätigung statt. Am 16. Juli 2026 stellte die Vorverfahrenskammer fest, dass hinreichende Gründe für die Annahme bestehen, dass El Hishri für die Gesamtheit der 17 Anklagepunkte wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen verantwortlich ist. Das Gericht wird in Kürze die Termine für die ersten Verhandlungstage bekannt geben.
Von besonderer Bedeutung ist die Bestätigung der Anklagepunkte wegen Versklavung und Verfolgung. In einer bahnbrechenden Anwendung eines intersektionalen Ansatzes hat die Kammer anerkannt, dass die zur Last gelegten Verbrechen die Inhaftierten je nach sich überschneidenden Faktoren unterschiedlich betrafen. Sie stellte insbesondere fest, dass schwarze Geflüchtete aufgrund der kombinierten Auswirkungen ihrer Rassifizierung, Nationalität, ethnischen Zugehörigkeit und ihres Migrationsstatus versklavt und verfolgt wurden, unter anderem durch rassistisch motivierte Zwangsarbeit und andere Formen der Ausbeutung und des Missbrauchs. Dies ist eine wichtige Anerkennung der spezifischen Erfahrungen von geflüchteten Menschen.