Historische Debatte im Bundestag

Forderungen der Ovaherero und Nama nach Gerechtigkeit müssen umgesetzt werden

15.10.2026

Die Debatte am 14. Oktober 2026 im Deutschen Bundestag über die vollumfängliche Anerkennung der Völkermorde an den Ovaherero und Nama war ein historischer Tag für die Nachkommen der Opfer des Genozids und das Bündnis „No Amnesty on Genocide! / Völkermord verjährt nicht!“. Ein Antrag der Fraktion Die Linke, entstanden in enger Zusammenarbeit mit Vertreter*innen der Ovaherero und Nama, rückte die Forderungen der Nachkommen der Opfer nach Anerkennung, Entschuldigung und Wiedergutmachung erneut ins Zentrum der parlamentarischen Auseinandersetzung. Das Bündnis begrüßt, dass diese Forderungen im Bundestag Gehör fanden und die deutsche Kolonialvergangenheit sowie die daraus erwachsende Verantwortung Deutschlands parlamentarisch verhandelt werden. Ein weiterer Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fordert die Entschuldigung für die Völkermorde unabhängig von der zwischen der deutschen und namibischen Regierungen ausgehandelten Gemeinsamen Erklärung und unter anderem eine deutsch-namibische parlamentarische Untersuchungskommission.

„Die Überweisung der Anträge in den Auswärtigen Ausschuss muss der Beginn einer ernstgemeinten weiteren Auseinandersetzung sein. Die Forderungen der betroffenen Gemeinschaften dürfen nicht erneut folgenlos bleiben“, so das Bündnis. „Der Antrag wird noch lange Zeit in der deutschen Politik präsent sein, und diese lange Zeit wird definitiv alle Teile der Mauer zum Einsturz bringen“, so Gaob Daniel Timotheus Frederick, Mitglied der Nama Traditional Leaders Association. „Ein historischer Tag wird erst dann zu einem politischen Wendepunkt, wenn ihm Taten folgen“, so das Bündnis. Es fordert die Bundesregierung und den Bundestag auf, die Ovaherero und Nama zu den weiteren Beratungen hinzuzuziehen und konkrete Schritte hin zu Gerechtigkeit und Wiedergutmachung zu vollziehen. Maßgeblich müssten dabei die Forderungen der betroffenen Gemeinschaften sein.

Das Bündnis verurteilt die geschichtsrevisionistischen Äußerungen der AfD aufs Schärfste. Ihre Abgeordneten relativierten den Völkermord und diffamierten die Forderungen nach Wiedergutmachung als „Schuldkult“. Den Ehrengästen auf der Tribüne, den Nachkommen der Ovaherero und Nama, hätten sie nicht einmal eines Blickes gewürdigt. „Sie hatten Schwierigkeiten, in unsere Richtung zu schauen, weil es schwer ist, jemandem ins Gesicht zu lügen“, so Paramount Chief Mutjinde Katjiua, Oberhaupt der Ovaherero Traditional Authority, im Nachgang der Debatte. „Wer den Völkermord leugnet und den Nachkommen der Opfer selbst im Bundestag jede Empathie verweigert, tritt ihre Würde mit Füßen“, so das Bündnis. Zugleich wertet das Bündnis es als wichtiges Signal, dass sich SPD, Bündnis 90/Die Grünen, CDU und Die Linke trotz unterschiedlicher Positionen zu den vorgelegten Anträgen den geschichtsrevisionistischen Parolen der AfD eine klare politische Haltung entgegensetzten.

„Wir als Linke werden an eurer Seite stehen und gemeinsam mit euch kämpfen, bis echte Gerechtigkeit herrscht“, so Charlotte Neuhäuser, MdB der Linken, die den Antrag im Bundestag eingebracht hatte, nach der Debatte an die Nachkommen der Opfer der Genozide gerichtet. „Sie warten seit Generationen auf Gerechtigkeit. Die gestrige Debatte hat ihren Forderungen parlamentarische Aufmerksamkeit verschafft. Nun muss sich zeigen, ob Deutschland bereit ist, seiner historischen Verantwortung gerecht zu werden“, so das Bündnis.

Über das Bündnis

Das transnationale Bündnis „No Amnesty on Genocide! / Völkermord verjährt nicht!“ setzt sich seit seiner Gründung 2011 für die Anerkennung der Völkermorde an den Ovaherero und Nama, eine offizielle Entschuldigung und umfassende Wiedergutmachung ein. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und ECCHR sind Teil des Bündnisses.

 

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