Fachworkshop und Buchpublikation Unternehmenshaftung

Zivilrechtliche Haftung und Berichterstattung als Steuerungsinstrumente

Institut – Forschung & Wissenschaft – Unternehmerische Sorgfaltspflicht

Im Rahmen der Reihe Studien zum Internationalen Wirtschaftsrecht des Nomos-Verlages hat Miriam Saage-Maaß, stellvertretende Direktorin des ECCHR, den Band Die Durchsetzung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten von Unternehmen mitherausgegeben. Vorausgegangen war ein Fachworkshop an der Humboldt-Universität, bei dem insbesondere auch junge Akademiker*innen zu Wort kommen sollten. Die Beiträge der jungen Jurist*innen in diesem Bandes greifen zahlreiche Fragen auf, die mit den beiden Grundmodellen der Steuerung unternehmerischen Verhaltens – dem Haftungs- und dem Transparenzmodell – verknüpft sind.

Mit diesem Band haben die Herausgeber*innen drei Ziele verfolgt: Sie wollten zunächst die Vielfalt und Komplexität der einschlägigen zivilrechtlichen Fragen aufzeigen. Weiterhin wollten sie aufzeigen, in welcher Tiefe und Breite diese Fragen in der zivilrechtlichen Nachwuchswissenschaft bereits bearbeitet werden. Schließlich hofften sie, dass die die Beiträge in diesem Band Anregungen für weitere Forschungen zum Thema unternehmerische Verantwortung für Menschenrechte bieten.

Projekt

Haftung und Berichterstattungspflichten können als Instrumente zur Durchsetzung der unternehmerischen Verantwortung für Menschenrechte angesehen werden. Im ersten Teil der Buchbandes werden haftungsrechtlichen Fragen näher beleuchtet. Dabei geht es sowohl um die dogmatische Begründung als auch die genaue Ausgestaltung einer möglichen Haftung von Unternehmen bei Menschenrechtsverletzungen als auch um die Zuordnung der Haftung in globalen Konzernstrukturen und Lieferketten.

Die Beiträge des zweiten Teils befassen sich mit der Umsetzung der CSR-Richtlinie der EU und beleuchten deren Funktion für Tätigkeiten von Aktionären. Im dritten Teil werden schließlich die einschlägigen kollisionsrechtlichen Fragen untersucht. Kollisions-, gesellschafts- und deliktsrechtliche Fragen greifen ineinander und beeinflussen sich gegenseitig bezüglich der unternehmerischen Verantwortung für Menschenrechte.

Kontext

Die Beiträge des Bandes wurden auf der Grundlage einer offenen Auschreibung, die sich insbesondere an zivilrechtliche Nachwuchswissenschaftler*innen richtete, ausgewählt und auf einem Workshop am 31. März 2017 an der Humbodlt-Universität zu Berlin vorgestellt. Die Vorträge wurden von Inhaber*innen zivilrechtlicher Lehrstühle kommentiert und diskutiert. Vor dem Hintergrund dieser Kommentare wurden die Beiträge für den vorliegenden Band ausgearbeitet und ergänzt. 

Media

Die Durchsetzung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten von Unternehmen
Die Durchsetzung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten von Unternehmen

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Glossar (1)

Definition

Sorgfaltspflicht

Die Sorgfaltspflicht (due diligence) ist ein Begriff aus dem Unternehmensrecht, der besagt, dass vor einem Vertragsabschluss (z. B. bei Übernahme eines Unternehmens) die Konditionen des Vertrags sowie mögliche Vertragspartner eingehend geprüft werden sollten. Menschenrechtliche Sorgfaltspflichten besagen, dass ein Unternehmen durchgehende Risikountersuchungen durchführen sollte, um sicherzustellen, dass keine menschenrechtlichen Standards verletzt werden.

Themen (1)

Einblick

Unternehmensverantwortung

In Pakistan sterben Arbeiter*innen beim Brand in einer Textilfabrik, weil der Feuerschutz vernachlässigt wurde; in Peru erkranken die Bewohner in der Gegend um eine Kupfermine, weil das Grundwasser verseucht ist; in Bahrain werden Regimekritiker*innen inhaftiert und gefoltert, weil die Polizei ihre Telefone und Computer ausspioniert hat. In all diesen Fällen führt die Spur der Verantwortung zu Unternehmen im Ausland – nach Deutschland, in die Schweiz, nach Großbritannien.

Transnational agierende Unternehmen sind die größten Profiteure der globalisierten Wirtschaft – nicht nur ökonomisch sondern auch rechtlich. Sie verletzen im Ausland häufig und auf vielfache Art Menschenrechte, jedoch werden nur selten die Manager*innen dafür vor Gericht belangt, geschweige denn verurteilt.

Betroffene von Unternehmensunrecht, soziale Bewegungen und Nichtregierungsorganisationen aus dem Globalen Süden bedienen sich zunehmend juristischer Mittel, um gegen Menschenrechtsverletzungen, in die ausländische Unternehmen verwickelt sind, vorzugehen – auch am Hauptsitz eines Unternehmens.

Das ECCHR will mit rechtlichen Mitteln dazu beitragen, dass die ungerechten ökonomischen, sozialen, politischen und rechtlichen Machtverhältnisse weltweit aufbrechen. Im Programmbereich Wirtschaft und Menschenrechte unterstützt das ECCHR den politischen und sozialen Kampf von Betroffenen mit rechtlichen Interventionen in Europa.

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