Institut - Gesellschaft & Kunst - Namibia: Woche für Gerechtigkeit

Namibia: Eine Woche für Gerechtigkeit

Veranstaltungsreihe in Windhoek und Swakopmund

Institut - Gesellschaft & Kunst - Namibia: Woche für Gerechtigkeit

Namibia: Eine Woche für Gerechtigkeit

Veranstaltungsreihe in Windhoek und Swakopmund

Die Veranstaltungen der "Namibia: Eine Woche für Gerechtigkeit" – darunter das Symposium "Colonial Injustice – Addressing Past Wrongs" vom 25.-26. März 2019 in Windhoek und die Konferenz "International Law in Postcolonial Contexts" vom 27.-29. März in Swakopmund – waren erstmalig in Namibia.

Die öffentliche Veranstaltung in Windhoek wurde vom ECCHR und der Akademie der Künste (AdK) in Kooperation mit dem Goethe-Institut Namibia organisiert. Die Konferenz, die Workshops und die öffentliche Veranstaltung in Swakopmund waren ein gemeinsames Projekt des ECCHR und der Adk zusammen mit der Ovaherero Genocide Foundation (OGF), der Nama Traditional Leaders Association (NTLA) und des Nama Genocide Technical Committee (NGTC).

Projekt

Die Veranstaltungsreihe in Namibia wurde mit großem Interesse und von einem breiten Publikum aus Vertreter*innen der Zivilgesellschaft aufgenommen: Jurist*innen, Künstler*innen, Verfassungshistoriker*innen und zivilgesellschaftliche Expert*innen diskutierten eine Woche lang auf gut besuchten Podiumsveranstaltungen und in verschiedenen weiteren Sitzungen. Zentrale Themen waren der deutsche Völkermord an den Ovaherero und Nama (1904-08) und die Frage, wie die gewaltvolle deutsch-namibische Geschichte würdevoll aufgearbeitet werden kann.

In seiner Eröffnungsrede fragte Prof. Makau Mutua (University at Buffalo, USA), ob die Deutschen die Bevölkerungsgruppen der Ovaherero und Nama jemals als ebenbürtig anerkennen können. Diese Fragestellung beschäftigte die Teilnehmenden immer wieder während der gesamten Veranstaltungsreihe. Prof. John Nakuta (University of Namibia) diskutierte das Konzept der formalistischen Gleichheit, die wiederum Ungleichheit reproduziert, wenn sich Menschen in ungleichen Umständen befinden. Andre du Pisani (University of Namibia) sprach von dem Völkermord als ein Töten mit Absicht (killing by design) – und damit einem moralischen Verbrechen, das nicht zu rechtfertigen war und ist.

Kontext

Die "Woche für Gerechtigkeit" macht(e) deutlich, wie wichtig ein zivilgesellschaftliches Forum zur Diskussion der deutsch-namibischen Geschichte ist.

Nach der Veranstaltungsreihe in Namibia forderte Wolfgang Kaleck, ECCHR-Generalsekretär: "Die Bundesregierung hat seit 115 Jahre nichts getan. Aber die Möglichkeit einer Verständigung besteht. Dafür muss das (post-)koloniale Unrecht jedoch nicht nur zwischen den Staaten sondern auch von der deutschen und der namibischen Gesellschaft aufgearbeitet werden. Die Deutschen können sich nicht aussuchen, mit wem sie reden – sie müssen allen Betroffenen und beteiligten Akteur*innen zuhören und mit ihnen sprechen, damit ein wirklich konstruktiver und zukunftsweisender Dialog gelingen kann."

Themen

Weitere Projekte

Glossar

Die postkoloniale Rechtskritik versucht, die Kontinuitäten dieser kolonialen Vergangenheit des Rechts (national und international) aufzudecken und zu beenden.
Nach dem Grundsatz der Intertemporalität ist ein rechtlicher Sachverhalt auf Grundlage der zu der jeweiligen Zeit gültigen Gesetze zu beurteilen. In manchen Fällen kann die Anwendung des Grundsatzes aber dazu führen, dass beispielsweise Verbrechen, die während der Kolonialisierung Afrikas oder Südamerikas begangen wurden, nicht nach heutigen juristischen Maßstäben beurteilt werden, sondern anhand der rassistischen und diskriminierenden Gesetze der damaligen Kolonisierenden.
Die UN-Erklärung über die Rechte der indigenen Völker vom September 2007 stellt indigene Völker anderen Völkern rechtlich gleich. In der Resolution wird erklärt, dass indigene Völker zur Vielfalt der Kulturen beitragen und dass sie nicht aufgrund ihrer Traditionen und deren Ausübung diskriminiert werden dürfen.
Um Völkermord international zu ächten, beschlossen die Vereinten Nationen im Dezember 1948 die "Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes". Darin ist Völkermord als Verbrechen definiert, das durch die Absicht gekennzeichnet ist, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise auszulöschen.

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