Pakistan - Textilindustrie - Zertifikate

Fabrikbrand bei KiK-Zulieferer in Pakistan

Ermittlungen gegen Zertifizierungsunternehmen RINA in Italien

Pakistan - Textilindustrie - Zertifikate

Fabrikbrand bei KiK-Zulieferer in Pakistan

Ermittlungen gegen Zertifizierungsunternehmen RINA in Italien

Die Betroffenen des Fabrikbrands bei Ali Enterprises in Karatschi (Pakistan) wollen, dass nicht nur die Besitzer der Fabrik vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden, sondern auch das deutsche Textilunternehmen KiK, Hauptauftraggeber der Fabrik, und das italienische Zertifizierungsunternehmen RINA. RINA hatte die Fabrik wenige Wochen vor dem Brand mit dem internationalen Güte-Siegel SA 8000 zertifiziert – das Siegel soll hohe Sicherheitsstandards sowie eine sozial- und ökologisch verträgliche Produktion garantieren. Um die Verantwortung von RINA strafrechtlich aufzuarbeiten, hat die Baldia Fire Affectees Association auf Grundlage der rechtlichen Expertise des ECCHR Anfang 2014 auch in Italien rechtliche Schritte initiiert.

Der Fall

In Italien werden die Überlebenden und Hinterbliebenen des 11. Septembers 2012 von den ECCHR-Kooperationsanwälten Stefano Bertone und Marco Bona aus Turin vertreten. 2014 reichten Bona und Bertone bei der Staatsanwaltschaft in Turin einen Bericht zum Fabrikbrand sowie zur Rolle von RINA ein. Die Staatsanwaltschaft nahm daraufhin Ermittlungen in dem Fall auf (Fall Nummer 1003/16/45) und gab ein Gutachten zum Feuerschutz in Auftrag. Anfang 2016 übernahm die Staatsanwaltschaft in Genua den Fall, da RINA dort den Hauptfirmensitz hat. Im März 2016 wandte sich das ECCHR an das Büro der Staatsanwaltschaft (Procura della Repubblica of Genova) und verwies ausdrücklich auf die Verpflichtung des Staates sich für die Einhaltung der Menschenrechte einzusetzen. Das ECCHR betonte, wie wichtig auch strafrechtliche Ermittlungen der Behörden in Genua sind, um die Rolle und Verantwortung von RINA im Fall des Fabrikbrands bei Ali Enterprises festzustellen.

Kontext

Im September 2012 starben 260 Arbeiterinnen und Arbeiter bei einem Brand in der Textilfabrik Ali Enterprises im Stadtteil Baldia in Karatschi, Pakistan. 32 Menschen wurden verletzt, teilweise lebensgefährlich. Die Arbeiterinnen und Arbeiter erstickten oder verbrannten, weil viele Fenster vergittert, Notausgänge verschlossen und nur eine Tür des Gebäudes offen war.

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