Chile - Colonia Dignidad - Hartmut Hopp

Colonia Dignidad: Strafverfahren gegen Hartmut Hopp in Deutschland

Chile - Colonia Dignidad - Hartmut Hopp

Colonia Dignidad: Strafverfahren gegen Hartmut Hopp in Deutschland

Der ehemalige Arzt der deutschen Sektensiedlung in Chile "Colonia Dignidad", Hartmut Hopp, soll in Deutschland ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft Krefeld beantragte am 7. Juni 2016 beim Landgericht, eine gegen Hopp in Chile verhängte Freiheitsstrafe in Deutschland zu vollstrecken. Das ECCHR drängte auf eine zügige Entscheidung des Gerichts. Hopp wurde in Chile wegen Beihilfe zu sexuellem Missbrauch von Minderjährigen zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, floh jedoch 2011 nach Deutschland. Am 14. August 2017 traf das Landgericht Krefeld die überfällige Entscheidung, das Urteil chilenischer Gerichte gegen Hopp in Deutschland zu vollstrecken. Hartmut Hopp hat sich bereits der chilenischen Justiz durch Flucht entzogen. Angesichts dessen, dass Hopp eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren droht, muss die zuständige Staatsanwaltschaft eine mögliche Flucht von Hartmut Hopp verhindern.

Der Fall

Die 1961 von dem Deutschen Paul Schäfer gegründete Colonia Dignidad war ein auslandsdeutsches, festungsartig ausgebautes Siedlungsareal in Chile. Die Siedlung (heute Villa Baviera genannt), in der noch immer etwa 280 Menschen leben, war jahrzehntelang Ort schwerster Menschenrechtsverletzungen. Gegner des Pinochet-Regimes (1973-1990) "verschwanden" dort, wurden gefoltert und ermordet. Deutsche und chilenische Kinder wurden systematisch jahrzehntelang sexuell missbraucht. Hopp war "rechte Hand" des Gründers und Führers der Colonia Dignidad Schäfer und vertrat die Colonia Dignidad in äußeren Angelegenheiten. Das ECCHR arbeitet seit 2011 zu den Menschenrechtsverletzungen in der Colonia Dignidad und deren Kollaboration mit der Pinochet-Diktatur. Vorrangiges Ziel ist es, durch juristische Schritte in Deutschland die Aufarbeitung in Chile zu unterstützen.

Kontext

Gemeinsam mit Betroffenen und der Kooperationsanwältin Petra Schlagenhauf aus Berlin reichte das ECCHR im August 2011 Strafanzeige gegen Hopp ein. Die Staatsanwaltschaft Krefeld eröffnete kurz darauf ein förmliches Ermittlungsverfahren unter Berufung auf die Anzeige. Im Februar 2012 musste Hopp erstmals als Beschuldigter aussagen. Begleitend zu der Strafanzeige veröffentlichte die Organisation ein Dossier über Hopp, das dessen Rolle in der Colonia Dignidad beschreibt und Hinweise auf seine strafrechtliche Verantwortlichkeit als Mittäter oder mittelbarer Täter ausführt. Das Krefelder Ermittlungsverfahren gegen Hopp gab vielen Opfern die Hoffnung, dass zu einer ernsthaften Aufklärung und Verfolgung zahlreicher schwerster Verbrechen in der Colonia Dignidad kommen könnte. Erste Ermittlungsansätze in Deutschland hatte es bereits 1988 gegeben. Damals leitete die Staatsanwaltschaft Bonn ein Ermittlungsverfahren gegen Hopp ein. Darin wurden zahlreiche Zeug_innen gehört und im Jahr 2005 durch einen chilenischen Nebenklagevertreter eine Vielzahl von Unterlagen aus dem dortigen Verfahren eingereicht. Dennoch wurden die Ermittlungen nicht gezielt weitergeführt.

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Glossar

Ein Dossier ist eine sortierte Sammlung von Dokumenten, die zusammen mit anderen Akten z.B. bei einem Gerichtsverfahren eingereicht werden können.
Das Landgericht ist der ordentlichen Gerichtsbarkeit zugeordnet und zwischen den Amts- und Oberlandesgerichten angesiedelt. Landgerichte haben Zivil- und Strafkammern.
Das Verschwindenlassen von Personen ist ein Mittel staatlicher Repression, das vor allem in autoritären Staaten angewandt wird.