Zehn Jahre nach dem verheerenden Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza, bei dem über 1.100 Menschen starben, haben noch immer zahlreiche Unternehmen, weder den Bangladesh Accord (das Abkommen für Gebäudesicherheit und Feuerschutz in Bangladesch) noch seinen Nachfolger, den International Accord, unterzeichnet. Das Abkommen gilt als der einzig funktionierende Mechanismus zur Verbesserung der Sicherheit am Arbeitsplatz in der weltweiten Textilindustrie. Bereits im November 2022 wandten sich FEMNET und ECCHR daher in einem offenen Brief an Tom Tailor, Deichmann, IKEA und Amazon und forderten diese Unternehmen auf, das Abkommen zu unterzeichnen, um ihre Sorgfaltspflicht im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zu erfüllen.
Zwei dieser Unternehmen – Amazon und IKEA – fallen nach unserer Analyse seit dem Januar 2023 unter das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG). Daher reichte die bangladeschische Gewerkschaft National Garments Workers Federation (NGWF) die erste Beschwerde beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ein: Zulieferfabriken der Unternehmen werden nicht ausreichend kontrolliert, missachten Gewerkschaftsrechte und gefährden den Arbeitsschutz der Beschäftigten. Gemeinsam mit FEMNET unterstützt das ECCHR die Beschwerde.
Das BAFA hat die Verfahren inzwischen beendet, ohne die betroffene Gewerkschaft einzubeziehen oder gar über den Ausgang der Verfahren zu informieren. Die Missstände vor Ort bestehen, nach unserer Kenntnis, derweil unvermindert fort.