Syngenta-Pestizide gefährden Bauern und PlantagenarbeiterInnen

Der Schweizer Chemie-Konzern Syngenta, einer der weltweit größten im Agrargeschäft, vermarktet hoch-giftige Pestizide in Indien. Dort ist Syngenta nach Bayer der zweitgrößte Player am Markt und verkauft unter anderem das Pestizid Gramoxone, das den Wirkstoff Paraquat enthält. Paraquat ist hoch giftig, da es beim Einatmen tödlich sein kann.
 
In der Europäischen Union (EU) ist Paraquat seit 2007 nicht mehr zugelassen, in den USA muss Gramoxone den Warnhinweis ‚fatal if inhaled‘ tragen. Dieser Hinweis fehlt jedoch bei dem in Indien erhältlichen Produkt, stattdessen steht dort ‚fatal if swallowed‘. Das belegen die Recherchen für den Monitoring Report, den das ECCHR im Oktober 2015 beim Experten-Gremium zum Umgang mit Pestiziden (Panel of Experts on Pesticides Management) der Welternährungsorganisation (FAO) eingereicht hat.
 
Ergebnis der ECCHR-Recherchen: Die Verpackungen der Syngenta-Pestizide Gramoxone (Paraquat) und Matador (Lambda-Cyhalothrin) klären nicht ausreichend über die von den Produkten ausgehenden Gefahren und mögliche Schutzmaßnahmen auf. Bei beiden Produkten sind die Etiketten nur auf Hindi und Englisch verfasst, eine Mehrheit der Menschen im Punjab versteht die Warnhinweise daher nicht. Trotz der hohen Toxizität von Gramoxone wird nicht auf notwendige Schutzausrüstung verwiesen. Bei beiden Syngenta-Pestiziden fehlt die Warnung vor dem Weitergebrauch der Behältnisse und die Information über sachgerechte Entsorgung.

ECCHR-Recherche: Syngenta-Pestizid Paraquat gefährdet PlantagenarbeiterInnen in Indonesien und den Philippinen

Im April 2016 übermittelte das ECCHR gemeinsam mit dem Pestizid-Aktions-Netzwerk Asien Pazifik (PAN AP) und der Erkärung von Bern (EvB) dem Schweizer Agrarmulti Syngenta die Ergebnisse einer Befragung von PlantagenarbeiterInnen zu den Folgen des Pestizids Gramoxone (aktiver Wirkstoff: Paraquat) für die Gesundheit von ArbeiterInnen auf zwei Plantagen in Indonesien und einer weiteren auf den Philippinen.
 
Die Eingabe an die Firma dokumentiert die Befragung von 39 ArbeiterInnen in beiden Ländern und vergleicht die Ergebnisse mit den Empfehlungen Syngentas zur Anwendung seines Produkts.

Trotz Pestizid-Einsatz keine Schutzkleidung und keine medizinische Versorgung

Das Ergebnis der Recherchen von ECCHR und PAN AP: Syngentas Gramoxone (aktiver Wirkstoff: Paraquat) - eines der gefährlichsten und in vielen Ländern, inklusive der EU und der Schweiz seit 1989, verbotenes Pestizid - wird auf den Plantagen in Indonesien und den Philippinen nahezu ohne Schutzmaßnahmen verwendet. Das belegen die Antworten der PlantagenarbeiterInnen.
 
Weder der Schweizer Hersteller noch die Plantagenbetreiber stellen adäquate Schutzkleidung für die klimatischen Bedingungen bereit. Der Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung ist bestenfalls mangelhaft. Gleichzeitig deuten wissenschaftliche Studien auf viele akute Gesundheitsprobleme und langfristige Schäden in Folge des Einsatzes von Paraquat hin.
 
Ausweislich der firmeninternen Standards muss Syngenta die Zustände in Indonesien und auf den Philippinen kennen. An der Art des Vertriebs von Paraquat/Gramoxone aber will das Schweizer Unternehmen - so die Antwort an das ECCHR – offenbar nichts ändern. Syngenta verweist lediglich auf allgemeine Trainings und versprach eigene Nachforschungen, deren Ergebnisse das Unternehmen bisher aber nicht zugänglich gemacht macht. Darüber hinaus beharrt Syngenta seiner sogenannten „safe use“ position, wonach ein Pestizid bei ordnungsgemäßen Gebrauch keine Schäden verursacht. Dieser Ansatz leugnet die realen Arbeitsbedingungen auf den untersuchten Plantagen.
 
Das ECCHR wird dies Situation mit seinen Partnerorganisationen beobachten und drängt weiterhin auf bessere Arbeitsschutzmaßnahmen, um mögliche Gesundheitsschäden zu vermeiden. Sollte das Unternehmen diese nicht einrichten, müsse es die Vermarktung des hochgefährlichen Stoffes beenden, so wie in Artikel 5 der Internationalen Code of Conduct (FAO/WHO) vorgesehen.

Pestizid-Vertrieb im Ausland: Syngenta verstößt gegen Sorgfaltspflichten

In Zusammenarbeit mit der Schweizer Organisation Erklärung von Bern hat das ECCHR auf Grundlage der Leitsätze der Vereinten Nationen zu Wirtschaft und Menschenrechten untersucht, ob Syngenta mit seinen Geschäftspraktiken grundlegende internationale Anforderungen an die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht transnationaler Konzerne einhält.
 
Nach Einschätzung der beiden Organisationen gibt es zahlreiche Anhaltspunkte dafür, dass Syngenta seiner Verpflichtung, die Menschenrechte betroffener Anwender und Dritter zu respektieren, keinesfalls gerecht wird.
 
Auch die sogenannte Health, Safety and Environment Policy von Syngenta genügt den Anforderungen der UN-Leitsätze nicht und ist kein effektives Mittel zur Umsetzung der Sorgfaltspflichten des Unternehmens.

The Distribution of Paraquat: Does Syngenta Respect Human Rights? (Legal Opinion by Robert Grabosch)

Grabosch, Syngenta, Legal Opinion, 2011-12.pdf (526,6 KiB)

Schlagwörter

  • Gramoxone
  • Indien
  • Indonesien
  • Pestizide
  • Schweiz
  • Syngenta
  • Unternehmensverantwortung