Bayer und Syngenta: FAO und WHO prüfen, ob Pestizid-Vertrieb in Indien gegen internationale Standards verstößt

“Die Firmen aus dem Ausland kommen mit ihren Pflanzenschutzmitteln hierher und sagen, damit werde sich die Ernte verdoppeln. An den Schaden für die Menschen auf dem Land denken sie dabei nicht”, berichtete ein Bauer im Rahmen einer Studie, die im März 2015 im Punjab (Indien) durchgeführt wurde. Die Aussage dieses Bauern ist Teil eines Berichts und eines Videos, dass die rechtlichen Interventionsmöglichkeiten gegen den Vertrieb von hochgefährlichen Pflanzenschutzmitteln (highly hazardous pesticides, kurz: HHPs) darlegt. Das Experten-Gremium zum Umgang mit Pestiziden (Panel of Experts on Pesticides Management) der Welternährungsorganisation (FAO) wird den Bericht vom 10. bis 13. April 2017 bei seinem jährlichen Treffen in Delhi (Indien) diskutieren.

Forderungen an FAO/WHO zur Regelung des Pestizid-Vertriebs in Indien

PM_FAO_Pestizide_Bayer_Syngenta_20170407.pdf (186,7 KiB)

Monitoring-Bericht des ECCHR zu Pestizid-Vertrieb in Indien

 
Den Bericht (Monitoring Report) hatte das ECCHR im Oktober 2015 gemeinsam mit den Organisationen Brot für die Welt (Deutschland), Erklärung von Bern (Schweiz) Pesticide Action Network Asia Pacific (Malaysia) and Kheti Virasat Mission, einer Organisation für Bio-Landwirtschaft aus dem Punjab (Indien) erarbeitet und eingelegt.

Download: Monitoring Report für die FAO (Englisch)

151009_Ad Hoc Monitoring Report Final.pdf (5,6 MiB)

Case Report: Pestizide von Bayer und Syngenta in Punjab (Englisch)

CaseReport_Pesticides_IndiaPunjab_FAO_20151009.pdf (495,3 KiB)

Die Beschwerde beleuchtet die mangelhafte Kennzeichnung (Labeling) der Produkte, die flächendeckend fehlende Schutzkleidung sowie die unzureichende Schulung von Vertriebspersonen.
 
Anhand der Aussagen von Bauern aus dem Punjab konnte dokumentiert werden, dass Bayer und Syngenta hochgefährliche Pflanzenschutzmittel vertreiben, die Bauern aber weder über die Gefahren der Pestizide noch über die nötigen Schutzmaßnahmen ausreichend informiert sind. Darüber hinaus hinterfragt der Bericht auch, ob die Unternehmen ihre Geschäftspraktiken und deren Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in der untersuchten Region ausreichend kontrollieren.
 
Nach Ansicht der fünf Organisationen aus Europa und Asien lässt der Bericht darauf schließen, dass die transnationalen Chemieriesen mit ihren Geschäftspraktiken in Indien gegen den Code of Conduct der FAO/WHO verstoßen.
 
Im Juni 2016 stellte die FAO in Aussicht, den Beschwerde-Bericht auf der nächsten regulären Jahreskonferenz des Expertengremiums im Oktober 2016 zu diskutieren, um Empfehlungen dazu abzugeben. Darüber hinaus wird auch der Beschwerdeprozess selbst auf den Prüfstand gestellt, um zu bewerten, ob und wie er verbessert werden kann.
 
Bei dem Experten-Treffen der FAO/WHO werden Vertreter des ECCHR sowie seiner Partnerorganisationen den Bericht von 2015 vorstellen und ihren Standpunkt zum Beschwerdemechanismus der FAO/WHO einreichen.

Der International Code of Conduct on Pesticide Management

Den International Code of Conduct on Pesticide Management führte die FAO 1985 ein, um die Risiken von Pestiziden weltweit zu regeln. Die aktuelle Fassung des Code of Conduct (2013) wird auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell unterstützt. Das Risikomanagement wird darin als gemeinsame Verantwortung von Regierungen und Pestizid-Herstellern festgelegt. Bayer und Syngenta haben sich öffentlich zur Einhaltung des Codes bekannt.
 
Das ECCHR und seine Partnerorganisationen fordern einerseits Bayer und Syngenta auf, den Vertrieb gefährlicher Pestizide wie unter anderem Confidor und Larvin (Bayer) sowie Gramoxone und Matador (Syngenta) in Indien unverzüglich einzustellen. Gleichzeitig wird das Experten-Gremium der FAO aufgerufen, die Vorwürfe gegen Bayer und Syngenta gründlich und unabhängig zu untersuchen.
 
Dringend nötig ist auch eine Reaktion der Regierungen in Deutschland und der Schweiz. Sie haben die extraterritoriale Menschenrechtsverpflichtung, Unternehmen anzuhalten bei Tätigkeiten im Ausland die Menschenrechte zu wahren. Dazu gehört beispielweise eine genaue Kontrolle der Ausfuhrgenehmigungen für Pestizide.

Briefwechsel mit Bayer, Syngenta und CropLife

Syngenta: Antwort auf Monitoring Report an die FAO

AdHocMReport-SyngentaPosition091015v01.pdf (107,3 KiB)

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