Bayer: Doppelstandards beim Vertrieb von Pestiziden

Die Bayer AG vermarktet über Tochterunternehmen wie die BayerCropScience AG hochgefährliche Pflanzenschutzmittel in Indien. Doch das Unternehmen trägt nicht genügend Sorge dafür, dass die Menschen über die Gefahren der Pestizide und die nötigen Schutzmaßnahmen informiert werden. Damit gefährdet die Bayer AG Gesundheit und Leben von Zehntausenden. Das belegt der Monitoring Report, den das ECCHR gemeinsam mit Partnerorganisationen aus Europa und Asien im Oktober 2015 der Welternährungsorganisation vorgelegt hat.

Anzeige gegen Bayer: Auf Pestizid-Etiketten für Indien fehlen wichtige Warnungen für Schwangere

Ein Jahr später, im Oktober 2016, erstattete das ECCHR in Deutschland, nämlich beim Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Bonn, Anzeige gegen die Bayer CropScience AG und die Bayer AG. Der Grund: Pestizid-Etiketten müssen Warnungen über Gesundheits- und Umweltrisiken enthalten. In Europa verkauft der Bayer-Konzern das giftige Produkt Nativo 75 WG mit der obligatorischen Warnung: „kann möglicherweise das ungeborene Leben schädigen“. Auf den nach Indien exportierten und dort erhältlichen Produkten fehlt diese Warnung.

Deutsche Behörde kontrolliert Export von Pestiziden nicht ausreichend

In der Ordnungswidrigkeitsanzeige forderte das ECCHR die Behörde auf, zu prüfen, ob Bayer die Exportregeln für Pestizide verletzt. Unterstützt wurde die Anzeige von den ECCHR-Partnerorganisationen Kheti Virasat Mission aus Indien sowie von FIAN Deutschland, MISEREOR und PAN Germany.
 
Im Februar 2017 teilte der Pflanzenschutzdienst mit, er sei nicht verpflichtet, den angezeigten Verstoß genauer zu prüfen. Der Pflanzenschutzdienst stellte lediglich fest, dass Bayer das Pestizid in sogenannten Big Bags nach Indien verschickt. Diese Enthalten einen Hinweis zu den Risiken für das ungeborene Leben, doch auf den abgabefertigen Produkten in Indien fehlt diese in der EU obligatorische Warnung. „Die Landwirtschaftskammer hätte zumindest ihre Kolleg_innen in Indien über die problematische Etikettierung informieren können, damit sie den Nativo-Vertrieb vor Ort prüfen“, kritisierte ECCHR-Mitarbeiterin Carolijn Terwindt.
 
Erst aufgrund der ECCHR-Anfrage untersuchte sie den Export von Nativo überhaupt. Die Behörde räumte ein, dass es von 2014 bis 2016 keinerlei Kontrollen beim Export von Pestiziden gab. Sei hätte keine „relevanten Hinweise gehabt, dass hier ein wichtiger Tatbestand vorliege“. Seit Oktober 2016 gäbe es nun eine länderübergreifende Arbeitsgruppe zur Vorbereitung solcher Kontrollen.

Pressemitteilung zur Anzeige gegen Bayer in Deutschland

FallUpdate_Bayer_Nativo_ECCHR_20170313.pdf (113,8 KiB)

Fallbeschreibung: Verkauf und Vertrieb von Bayers Nativo in Indien

Fallbeschreibung_Bayer_Nativo_Indien_Deutschland_Anzeige_20161019.pdf (429,5 KiB)

Nativo von Bayer: Risiken für Schwangere, Ungeborene und Kinder

Pestizide müssen mit Warnungen über Gesundheits- und Umweltrisiken versehen sein. In Europa verkauft Bayer Nativo mit der obligatorischen Warnung: „kann das ungeborene Leben schädigen“. Auf den nach Indien exportierten Produkten fehlt diese Warnung. Die Verbraucher werden auch nicht über mögliche Schutzmaßnahmen für Haut und Augen informiert.  

Die fehlende Kennzeichnung verstärkt die bestehenden Risiken für Frauen noch, denn sie nehmen über ihre Haut Pestizide leichter auf als Männer. Besonders besorgniserregend ist dabei, dass die giftigen Chemikalien während der Schwangerschaft und mit der Muttermilch auf die folgende Generation übertragen werden können.

Indisches Landwirtschaftsministerium ermittelt gegen Bayer wegen Nativo

In Indien hat das Landwirtschaftsministerium in Neu Delhi im Juli 2016 wegen Nativo Ermittlungen gegen das Bayer-Tochterunternehmen Bayer CropScience Ltd (India) aufgenommen. Anlass war eine Petition zur Strafverfolgung, die Vertreter der indischen Bürgerbewegung Swadeshi Andolan im Dezember 2015 beim Ministerium eingereicht hatten. Das ECCHR unterstützte die Petition mit rechtlicher Expertise.
 
Die indischen AktivistInnen fordern den Verkaufsstopp von Nativo und die Überprüfung der Registrierung des Pestizids sowie strafrechtliche Ermittlung gegen Manager von Bayer CropScience. Nach indischem Gesetz droht den Bayer-Managern eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafen von zwei Jahren.

Confidor, Larvin, Regent: Gefährliche Pestizide, die Bayer in Indien vertreibt

Ein weiteres Pestizid, das die Bayer CropScience in Indien vertreibt, ist zum Beispiel Confidor. In Deutschland ist dieses Mittel nicht für Haus- und Kleingärten zugelassen. AnwenderInnen müssen einen Sachkunde-Nachweis vorlegen, bevor sie dieses Pestizid erwerben können. In der indischen Region Punjab jedoch kann jeder, das Mittel problemlos beim Händler erwerben.
 
Confidor sowie weitere Bayer-Produkte wie Larvin und Regent, die sich in indischen Läden finden, enthalten Wirkstoffe, die von der Weltgesundheitsorganisation als „moderat gefährlich“ eingestuft werden. Das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) hat die Inhaltsstoffe hingegen anders bewertet. Es führt Thiodicarb (Larvin) wegen möglicher Krebs-Gefahren und Fipronil (Regent) wegen bienenschädlicher Effekte in der Liste hochgefährlicher Substanzen.
 
Thiodicarb ist in der Europäischen Union seit 2007 nicht mehr zugelassen. Besondere Risiken für Kleinkinder, Gefährdungen von Vögeln und der Umwelt sowie unzureichende Daten zur Gefährlichkeit für den Menschen und für das Grundwasser haben Brüssel zu diesem Schritt bewogen.

ECCHR fordert: Keine Entlastung des Bayer-Vorstands und -Aufsichtsrats!

Angesichts der Geschäftspraktiken des Chemieriesen in Indien haben das ECCHR und die Coordination gegen Bayer-Gefahren e.V. bei der jährlichen Hauptversammlung im April 2016 die Aktionäre der Bayer AG aufgefordert, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Das ECCHR setzt sich insbesondere dafür ein, dass Bayer den Vertrieb von Pestiziden wie Larvin und Nativo in Indien einstellt.

Pressemitteilung zur Bayer-Hauptversammlung 2016

PM_BayerHauptversammlung_Pestizide_ECCHR_20160428.pdf (206,3 KiB)

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