Doppelstandards internationaler Chemie- und Agrarkonzerne

In Europa und Nordamerika ist es ganz selbstverständlich: Ein Pestizid darf nur verkauft werden, wenn der Hersteller explizit auf die Risiken des Produktes hinweist. Für viele Pestizide ist sogar ein behördlicher Sachkundenachweis nötig. Ganz anders, wenn  internationale Chemie­ und Agrarkonzerne ihre Produkte im globalen Süden vertreiben. Internationale Unternehmen verkaufen, beispielsweise in Indien, Pestizide, die im Heimatstaat mit Auflagen belegt oder gar verboten sind.
 
Die Pestizid-Unternehmen halten sich mitunter weder an die geltenden lokalen Vorgaben noch an die international anerkannten Standards. Wenn es um die Rechte auf Gesundheit, Leben und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen geht, gilt offenbar nicht gleiches Recht für alle. Das belegen zahlreiche Fälle, die das ECCHR seit 2013 in internationalen Workshops und Recherchereisen in Indien und auf den Philippinen ausgewertet hat.

Policy Paper: Rechtliche Schritte gegen Doppelstandards in der Agrarindustrie (16 Seiten, Englisch)

PolicyPaper_Pesticides_Eng.pdf (601,1 KiB)

Video: “Tackling the Accountability Gap“ – Legal tools to hold pesticides companies accountable

Das Fehlverhalten der Chemie­ und Agrarunternehmen ist vor Gericht bislang selten verhandelt worden, nur in wenigen Fällen wurde die Haftung von Pestizid-Produzenten für Gesundheits­ und Umweltschäden anerkannt – nicht zuletzt aufgrund rechtlicher Hürden. Diese versucht das ECCHR mit innovativen rechtlichen Mitteln zu überwinden – zum Beispiel mit Interventionen bei dem Experten-Gremium zum Umgang mit Pestiziden (Panel of Experts on Pesticides Management) der Welternährungsorganisation (FAO).

Bauern aus dem Punjab berichten über Einsatz und Folgen von Pestiziden (Englisch)

TestimoniesFarmers_Pesticides_IndiaPunjab_2015109.pdf (313,1 KiB)

UN-Sonderberichterstatter fordert Sorgfaltspflichten für Chemieunternehmen

Der UN-Sonderberichterstatter zu Management und Entsorgung gefährlicher Substanzen, Baskut Tuncak, hat die Bundesregierung aufgefordert, im „Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte“ auch konkrete Sorgfaltspflichten für Chemie-Unternehmen aufzunehmen. Der Sonderbeauftragte berief sich dabei auf den ECCHR-Bericht (Monitoring Report) zum Vertrieb von Pestiziden von Bayer und Syngenta in Indien.

Schlagwörter

  • Pestizide Bayer Syngenta Indien FAO WHO

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