Folter unter der Regierung Assad

Überlebende stellen beim Generalbundesanwalt Strafanzeige gegen syrische Geheimdienstchefs

Die Regierung von Bashar al Assad lässt in Syrien systematisch und flächendeckend foltern – nicht nur Oppositionelle und Aktivist_innen und nicht erst seit den Protesten 2011, sondern seit Jahrzehnten. Die internationale Strafjustiz hat derzeit wenig Möglichkeiten, die Verbrechen in Syrien strafrechtlich zu verfolgen.
 
Doch die deutsche Justiz kann nach dem Weltrechtsprinzip aktiv werden. Sieben Folterüberlebende aus Syrien und die Rechtsanwälte Anwar al-Bunni (Syrian Center for Legal Researches & Studies) und Mazen Darwish (Syrian Center for Media and Freedom of Speech) haben deshalb gemeinsam mit ECCHR beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe eine Strafanzeige gegen hochrangige Mitglieder des syrischen Geheimdienstsapparats eingereicht.
 
Das ECCHR untersucht seit 2012 Verbrechen aller Konfliktparteien in Syrien. Dazu arbeitet es mit einem internationalen Netzwerk, zu dem auch Folterüberlebende gehören, die in Deutschland Schutz gefunden haben.

Folter in Syrien: Überlebende und Aktivisten berichten (Englisch)

بيان صحفي: الناجون من منظومة التعذيب يتقدمون بشكوى جنائية إلى المدعي العام في ألمانيا ضد مسؤولين رفيعي المستوى من الإستخبارات السورية

Arabic_PR_Syria_Torture_Complaint_ECCHR_20170302.pdf (366,1 KiB)

ECCHR-Einzelfälle sind exemplarisch für Foltersystem unter Assad

Die Anzeige richtet sich gegen sechs namentlich bekannte und weitere hochrangige Funktionäre der syrischen Militärgeheimdienste. Die Anzeigeerstatter_innen wurden in Gefängnissen dieser Geheimdienste selbst gefoltert oder Zeug_innen von Folter. Ziel ist, dass der Generalbundesanwalt in diesen konkreten Fällen – die exemplarisch für das Foltersystem des Assad-Regimes sind – ermittelt und internationale Haftbefehle gegen die Verantwortlichen erwirkt.

Kurzportraits: Folter-Überlende klagen in Deutschland gegen syrische Geheimdienstchefs

Syrien_Folter_Strafanzeige_ECCHR_Portraits_Anzeigenerstatter.pdf (305,7 KiB)

Folter unter Assad: Der Weg zu Gerechtigkeit führt auch über Deutschland

“Wir dürfen dem Grauen in Syrien nicht fassungs- und tatenlos zusehen. Wir müssen das, was dort geschieht, in Worte und in rechtliche Kategorien fassen”, sagte ECCHR-Generalsekretär Wolfgang Kaleck. “Deutschland kann und muss einen Beitrag leisten, damit Menschenrechtsverbrechen wie Folter, Massaker und sexualisierte Gewalt in Syrien juristisch aufgearbeitet werden.”

Q&A: Rechtlicher Hintergrund der Strafanzeige wegen Folter unter Assad von sieben Syrerinnen in Deutschland (auch Arabisch)

Syrien_Folter_Strafanzeige_ECCHR_QA.pdf (361,7 KiB)

سؤال وجواب: الخلفية القانونية للشكوى الجنائية فيما يتعلق بقضايا التعذيب في سوريا والتي رفعت في ألمانيا.

Arab_Syria_Torture_Q&A.pdf (538,1 KiB)

"Ohne Gerechtigkeit keine politische Lösung"

Mazen Darwisch, Rechtsanwalt und Journalist aus Damaskus betonte: „In Syrien herrscht derzeit totale Straflosigkeit, die weitere Gewalt produziert. Ohne Gerechtigkeit wird es keine politische Lösung des Konflikts geben“. Sein Kollege Anwar al-Bunni ergänzte: “Massive Menschenrechtsverbrechen dürfen nicht unbeantwortet bleiben, das ist spätestens seit den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen klar. Folter ist absolut verboten. Dagegen muss in Deutschland ein Zeichen gesetzt werden ”

Sondernewsletter "Menschenrechtsverbrechen in Syrien. Teil 1: Folter unter Assad" (März 2017)

Sondernewsletter_Syrien_2017März.pdf (666,6 KiB)