Der Preis der Katastrophen in der Textilindustrie Südasiens

Betroffene von Fabrikbrand in Pakistan verklagen KiK

Gerechtigkeit statt Almosen. Haftung statt Freiwilligkeit: Das fordern die Überlebenden und Hinterbliebenen der Brandkatastrophe in der Textilfabrik Ali Enterprises in Karachi (Pakistan). Am 11. September 2012 starben dort 260 Menschen, 32 wurden verletzt. Hauptkunde der Fabrik war nach eigenen Angaben der deutsche Textildiscounter KiK.

Etappensieg im Verfahren gegen KiK vor deutschem Gericht

Vier Betroffene des Brandes reichten am 13. März 2015 beim Landgericht Dortmund Klage auf Schadensersatz gegen KiK ein. Muhammad Hanif, Muhammad Jabbir, Abdul Aziz Khan Yousuf Zai und Saeeda Khatoon gehören zur Selbstorganisation der Betroffenen, der Baldia Factory Fire Affectees Association, und fordern je 30.000 Euro Schmerzensgeld.
 
Am 30. August 2016 entschied das Gericht: Es sieht sich zuständig und die Kläger erhalten Prozesskostenhilfe. Diese Entscheidung ist der erste Schritt, damit ein Fall von Menschenrechtsverletzungen durch deutsche Unternehmen im Ausland auch vor einem deutschen Gericht verhandelt wird.

ECCHR unterstützt die Baldia Factory Fire Afffectees Associationn

Das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) und medico international unterstützen die Klage, die Rechtsanwalt Dr. Remo Klinger aus Berlin eingereicht hat. Das Verfahren gegen KiK soll klar machen: Transnationale Unternehmen seien auch für die Arbeitsbedingungen in ihren Tochter- und Zulieferbetrieben im Ausland verantwortlich. 

ILO-Verfahren: KiK einigt sich mit Überlebenden und Hinterbliebenen

Kurze Zeit später, am 10. September 2016, erklärte sich KiK bei einem von der Internationalen Arbeitsorganisation ILO moderierten Dialog dazu bereit, den Betroffenen 5,15 Millionen US-Dollar Hinterbliebenen- und Unfallentschädigung zu zahlen. 
 
Ein Schmerzensgeld und das Eingeständnis seiner Mitverantwortung, wie sie die Betroffenen mit der Klage in Deutschland fordern, lehnte KiK aber weiterhin ab.

Video: "Pakistan - Billige Textilien, tödliche Arbeitsbedingungen" - Der Brand am 11. September 2012 bei Ali Enterprises (Karachi)

Fallbeschreibung: Der Brand bei Ali Enterprises am 11.9.2012 in Karachi (Pakistan)

KiK_Pakistan_Fallbeschreibung.pdf (236,0 KiB)

Kurzportraits Kläger im Verfahren gegen KiK

KiK_Pakistan_KurzportraitsKlaeger.pdf (395,3 KiB)

Haftbarkeit von Zertifizierungsfirmen in der Textilindustrie (Englisch)

Policy Paper_Liability of Social Auditors in the Textile Industry_FES_ECCHR_2016.pdf (320,0 KiB)

Rechtsgutachten zur Klage gegen KiK vor dem Landgericht Dortmund (Deutsch und Englisch)

Die Klage wird durch unterschiedliche Rechts- und Fachgutachten externer Experten gestützt: Jura-Professoren des Essex University Business and Human Rights Project (Großbritannien) reichten ein Gutachten zu KiKs Haftbarkeit ein; Dr. Gisela Burckhardt von der deutschen Organisation FEMNET, die insbesondere Frauen in der Textilindustrie in Asien unterstützt, schrieb ein Gutachten zum System der Zertifizierungen und Zehra Khan von der pakistanischen Gewerkschaft National Trade Union Federation (NTUF) steuerte auf Basis von Interviews mit ArbeiterInnen von Ali Enterprises ein Gutachten zu den Arbeitsbedingungen in der Fabrik bei.

 

ECCHR-Gutachten in Verfahren in Pakistan und in Italien

Neben der Zivilklage gegen KiK in Deutschland unterstützt das ECCHR die Baldia Factory Fire Affectees Association auch im Strafverfahren gegen die Besitzer der abgebrannten Fabrik in Pakistan und in dem Verfahren gegen die Zertifizierungsfirma RINA in Italien.

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