Laufende Prozesse in Argentinien: Campo de Mayo

Wegen der Menschenrechtsverletzungen in dem Komplex Campo de Mayo wurde eines der größten Ermittlungsverfahren der argentinischen Justiz eingeleitet. Von den mehreren Tausend dort geheim gefangen gehaltenen und gefolterten Regimegegnern überlebten nur wenige. Auffallend viele der Opfer hatten einen gewerkschaftlichen Hintergrund - ganze Betriebsräte der vielen Fabriken aus dem Industriegürtel der Provinz Buenos Aires wurden in Campo de Mayo ausgelöscht.
Das militärisches Areal Campo de Mayo, 30 km außerhalb von Buenos Aires gelegen, war zwischen 1976 und 1980 in vier verschiedene geheime Gefängnis- und Folterzentren unterteilt: El Campito, La Casita, La Prisión Militar de Encausados und El Hospital Militar. Das Areal war unter der Kontrolle und dem Befehl der Heeresleitung des militärischen Instituts ("Comando de Institutos Militares"), das zur Tatzeit von den vier Generälen Santiago Omar Riveros, José Montes, Cristino Nicolaides und Reynaldo Bignone geleitet wurde.

Die Anklage lautet auf Freiheitsberaubung, Folter, Mord und weitere Verbrechen, die mündlichen Verhandlungen begannen am 2. November 2009 vor dem Bundesgericht San Martín in der Provinz Buenos Aires. Das Verfahren ist unterteilt in vier Fälle, Nº 2023, Nº 2031, Nº 2034 und Nº 2043.
Eine wichtige Person in diesem Prozess ist Héctor Ratto, welcher sowohl als Nebenkläger auftritt als auch als einer von 130 Zeugen aussagen wird. Ratto ist  ehemaliger Arbeiter bei Mercedes-Benz in González Catán (Buenos Aires),  und wurde im Rahmen seiner Arbeit wiederholt Augenzeuge illegaler Gefangennahmen und Verschleppungen einiger seiner Kollegen unter Beteiligung von Managern des Unternehmens wurde.

Es gibt acht Angeklagte in diesem Verfahren, darunter Reynaldo Benito Bignone, stellvertretener Chef der Heeresleitung des militärischen Instituts und de facto Präsident Argentiniens zwischen dem 2. Juli 1982 und dem 10. Dezember 1983.

Ein weiterer hochrangiger Angeklagter ist Santiago Omar Riveros, ehemaliger Chef der Heeresleitung des militärischen Instituts. Im Dezember 2000 wurde er - zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Ex-General Suárez Masón - bereits von einem italienischen Gericht zu lebenslanger Freiheitsstrafe für die Morde und Folter an italienischen Staatsbürgern verurteilt. Im August 2009 verurteilte ihn das Bundesgericht in San Martín, vor dem das aktuelle Verfahren läuft, zu lebenslanger Freiheitsstrafe wegen Folter und Mord an der erst 15 Jahre alten Floreal Avellaneda sowie der Entführung und Folter ihrer Mutter, Iris Pereyrea de Avellaneda. Fernando Verplaetsen und Osvaldo García, ebenfalls Angeklagte im aktuellen Verfahren, wurden im Avellaneda Fall zu 25 bzw. 18 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.


Links:

http://www.pagina12.com.ar/diario/ultimas/20-134550-2009-11-02.html
http://www.pagina12.com.ar/diario/elpais/1-134545-2009-11-02.html
http://www.cij.gov.ar/nota-2811-Comenzo-el-juicio-oral-contra-Bignone-y-otros-seis-imputados.html


Zur lebenslangen Freiheitsstrafe Santiago Omar Riveros:
http://www.derechos.org/nizkor/arg/doc/riveros8.html

Weitere Informationen über alle argentinischen Diktaturverfahren finden Sie hier:
http://www.memoriaabierta.org.ar/eng/principal.php (Englisch)
www.desaparecidos.org/arg/doc/causas/causas1209.pdf
http://www.elpais.com/articulo/domingo/Argentina/juzga/torturadores/elppor/20100110elpdmg_3/Tes
http://www.cij.gov.ar/nota-127-Ciudad-de-Buenos-Aires.html (Liste der Fälle in Buenos Aires / Spanisch)
http://www.cij.gov.ar/especiales.html (Spanisch)
http://www.mpf.gov.ar/ (unter derechos humanos / Spanisch)
http://www.nuncamas.org/investig/articulo/nuncamas/nmas0001.htm (Spanish)
http://criticadigital.com.ar/impresa/index.php?secc=nota&nid=35562 (Interview Wolfgang Kaleck)
http://www.elargentino.com/nota-70449-Los-juicios-son-un-modelo-para-Europa.html (Interview Wolfgang Kaleck)

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