Pestizide von Bayer und Syngenta gefährden Zehntausende in Punjab (Indien)

ECCHR fordert: Keine Entlastung des Bayer-Vorstands und -Aufsichtsrats!

Die Bayer AG vermarktet über Tochterunternehmen wie die BayerCropScience AG hochgefährliche Pflanzenschutzmittel in Indien. Doch die Unternehmen tragen nicht genügend Sorge dafür, dass die Menschen über die Gefahren der Pestizide und die nötigen Schutzmaßnahmen informiert werden. Damit gefährdet die Bayer AG Gesundheit und Leben von Zehntausenden. Das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) und die Coordination gegen Bayer-Gefahren e.V. fordern daher bei der Hauptversammlung 2016 die Aktionäre der Bayer AG auf, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Das ECCHR setzt sich dafür ein, dass Bayer den Vertrieb von Pestiziden wie Larvin (dessen Wirkstoff Thiodicarb in der EU verboten ist) und Nativo in Indien einstellt.

Pressemitteilung zur Bayer-Hauptversammlung 2016

PM_BayerHauptversammlung_Pestizide_ECCHR_20160428.pdf (206,3 KiB)

Bayer und Syngenta: FAO und WHO prüfen prüft, ob Pestizid-Vertrieb in Indien gegen internationales Recht verstößt

“Die Firmen aus dem Ausland kommen mit ihren Pflanzenschutzmitteln hierher und sagen, damit werde sich die Ernte verdoppeln. An den Schaden für die Menschen auf dem Land denken sie dabei nicht”, berichtete ein Bauer bei dem Interview für eine Studie, die im März 2015 im Punjab (Indien) durchgeführt wurde. Die Aussage dieses Bauers ist Teil eines Videos, dass die rechtlichen Interventionsmöglichkeiten gegen den Vertrieb von hochgefährlichen Pflanzenschutzmitteln (highly hazardous pesticides, kurz: HHPs) darlegt.
 

Monitoring-Bericht des ECCHR zu Pestizid-Vertrieb in Indien

Das Interview floss auch in einen Bericht (Monitoring Report), den das ECCHR am 6. Oktober 2015 beim Experten-Gremium zum Umgang mit Pestiziden (Panel of Experts on Pesticides Management) der Welternährungsorganisation (FAO) eingereicht hat und das derzeit in Peking (China) tagt. Den Bericht reichte das ECCHR gemeinsam mit den Organisationen Brot für die Welt (Deutschland), Erklärung von Bern (Schweiz) Pesticide Action Network Asia Pacific (Malaysia) and Kheti Virasat Mission, eine Organisation für Bio-Landwirtschaft aus dem Punjab (Indien) ein.
 
Der Bericht dokumentiert anhand der Aussagen von Bauern aus dem Punjab, dass Bayer und Syngenta hochgefährliche Pflanzenschutzmittel vertreiben, die Bauern aber weder über die Gefahren der Pestizide noch über die nötigen Schutzmaßnahmen ausreichend informieren. Nach Ansicht der fünf Organisationen aus Europa und Asien lässt der Bericht darauf schließen, dass die transnationalen Chemieriesen mit ihren Geschäftspraktiken in Indien gegen den Code of Conduct der FAO verstoßen.
 

Video: “Tackling the Accountability Gap“ – Legal tools to hold pesticides companies accountable

Den International Code of Conduct on Pesticide Management führte die FAO 1985 ein, um die Risiken von Pestiziden weltweit regeln zu können. Die aktuelle Fassung des Code of Conduct (2013) wird auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell unterstützt. Das Risikomanagement wird darin als gemeinsame Verantwortung von Regierungen und Pestizid-Herstellern festgelegt. Bayer und Syngenta haben sich öffentlich zur Einhaltung des Codes bekannt.
 
Der Monitoring Report beleuchtet zwei Bereiche des Code of Conduct, die verletzt werden. Zum einen geht es um die angemessene Kennzeichnung (Labeling) der Produkte, zum anderen um die Maßnahmen für Schutzkleidung und die Schulung von Vertriebsmitarbeitern der Unternehmen. Darüber hinaus hinterfragt der Bericht auch, ob die Unternehmen ihre Geschäftspraktiken und die Auswirkungen von Pestiziden in der untersuchten Region ausreichend kontrollieren.
 
Das ECCHR und seine Partnerorganisation fordern einerseits Bayern und Syngenta auf, den Vertrieb hochgefährlicher Pestizide wie unter anderem Confidor und Nativo (Bayer) sowie Gramoxone und Matador (Syngenta) in Indien unverzüglich einzustellen. Gleichzeitig wird das Experten-Gremium der FAO aufgerufen, die Vorwürfe gegen Bayer und Syngenta gründlich und unabhängig zu untersuchen.
 
Dringend nötig ist auch eine Reaktion der Regierungen in Deutschland und der Schweiz. Sie haben die extraterritoriale Menschenrechtspflicht, Unternehmen, wie Bayern und Syngenta, die ihren Hauptsitz in Deutschland bzw. der Schweiz haben, anzuhalten bei Tätigkeiten im Ausland die Menschenrechte zu wahren. Deutschland muss im Nationalen Aktionsplan „Wirtschaft und Menschenrechte“ die menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten für Unternehmen auch im Ausland festschreiben, fordern die fünf Organisationen. Dazu gehört beispielweise eine genaue Kontrolle der Ausfuhrgenehmigungen für Pestizide.

Dokumente zu dem Fall

Monitoring Report für die FAO (Englisch)

151009_Ad Hoc Monitoring Report Final.pdf (5,6 MiB)

Case Report: Pestizide von Bayer und Syngenta in Punjab (Englisch)

CaseReport_Pesticides_IndiaPunjab_FAO_20151009.pdf (495,3 KiB)

Bauern aus dem Punjab berichten über Einsatz und Folgen von Pestiziden (Englisch)

TestimoniesFarmers_Pesticides_IndiaPunjab_2015109.pdf (313,1 KiB)

Syngenta: Antwort auf Monitoring Report an die FAO

AdHocMReport-SyngentaPosition091015v01.pdf (107,3 KiB)

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